Lechweg Etappe 5 Elbigenalp – Steeg – Der Tag der Zweifel

Lechweg Etappe 5 Elbigenalp Steeg

Neuer Tag, neue Lechweg Etappe 5. An diesem Tag sollten es gut 22 Kilometer werden. Wurden es auch – und da war dann plötzlich bei Anita dieses Gefühl, nicht weiter gehen zu können.
Aber der Reihe nach. Die Etappe 5 gingen wir zum größten Teil mit einer der Lechtaler Kräuterhexen, mit Sigrid Wolf.
Die Übersicht zu unserer Lechweg-Wanderung in 8 Tagen vom Fall zur Quelle findest du in diesem Beitrag.

Facts

Art: Streckenwanderweg
Name: Lechweg Etappe 5
Region: Tirol/Österreich
Start: Hotel Panorama Elbigenalp (1039 müNN)
Ziel: Haus Lechblick Steeg (1114 müNN)
Länge: 22,1 km
Anstieg: 570 Meter
Abstieg: 520 Meter
Dauer: ca. Stunden
Betreiber Lechweg: Füssen Tourismus und Marketing, Tourismusverband Naturparkregion Reutte, Lechtal Tourismus, Warth-Schröcken Tourismus, Lech Zürs Tourismus GmbH

komoot-Karte (falls es nicht angezeigt wird, klick auf den Button)
Start in Elbigenalp

Die Nacht war ruhig, wir fühlten uns am Morgen gut erholt, genossen ein ausführliches Frühstück mit Ei – wie jeden Morgen. Unsere Gastgeber im Hotel Panorama waren wirklich sehr zuvorkommend, wir verließen mit einem guten Gefühl das Hotel.

Sigrid Wolf

Im Ort wartete dann schon eine der Lechtaler Kräuterhexen auf uns. Sigrid Wolf ihr Name. Eine sehr sympathische ehemalige Skirennfahrerin, die 1988 in Calgary den Super G gewann. Das ist lang her – heute widmet sie sich den Kräutern und ihrem Fitness-Studio. Wir fühlten uns sofort in ihrem Kosmos.

Kräuterwanderung

Nicht nur, dass sie uns diese vielen Kräuter und Blumen am Wegesrand erklärte, sie machte das auch noch so locker, verpackte manches in Eselsbrücken, dass wir es heute noch wissen.
Zum Beispiel gibt es die allseits bekannte Schafgarbe – aber wusstest du, dass sie auch die “Augenbraue der Venus” heisst?

Dazu ein Zitat:

Sehr poetisch – und auf die Göttin der Liebe bezogen – ist auch der Name “Augenbraue der Venus”, den die Schafgarbe wegen ihrer feinen, filigranen gefiederten Blätter trägt, die wie Augenbrauen geschwungen sind. Der Bezug zur Venus zeigt uns schon, dass es sich um ein “Frauenkraut” handelt.

https://wildkraeuterlich.de/schafgarbe-die-augenbraue-der-venus/

So ging es, ohne dass wir es recht bemerkten, die ersten 5 Kilometer flach am Lech entlang.
Wir lassen Obergiblen rechts von uns liegen, streifen es nur am Ende kurz.

Es gibt im Lechtal und drumherum mindestens 1160 nachgewiesene Blütenpflanzen, das sahen wir an diesem Tag auch ganz genau. Oft entdeckt man die Schönheiten gar nicht – wusstest du, dass der Blutwurz eine klitzekleine Blüte hat? Der Schnaps wird aus den Rhizomen der Pflanze hergestellt, eine Kostprobe hatte Sigrid dabei – und wir waren alle angetan.

Es blieb nicht flach auf dieser Etappe. Nach etwa 5 Kilometern ging es hinauf. Vorher trafen wir bei Bach noch auf die schöne Pfarrkirche “Unserer Lieben Frau Maria Reinigung”. Danach hieß es ab in den Wald und den Kreuzweg hinaufgestiefelt.

Aber unterwegs gab es durch Sigrid Wolf so viel zu entdecken, dass wir gar nicht merkten, dass wir bergauf gingen. An der kleinen Seesumpf-Kapelle schließlich gab es noch ein paar Pilates-Übungen. Es war wundervoll.

Du könntest jetzt auf dem Weg nach Benglerwald noch einen Abstecher zum Modertal Wasserfall machen. Wir machten den nicht, da wir später noch eine längere Pause machen wollten.

Anita genoss es regelrecht, endlich mal jemanden um sich zu haben, den sie alles fragen konnte, was sie zur Thema Wildkräuter interessierte. Ok, fragen kann sie mich das auch – aber ich habe oft keine Antwort… Sigrid Wolf schon. Sehr geduldig beantwortete sie einfach alle Fragen.

Holzgauer Hängebrücke

Nach etwa 12 Kilometern verließen wir kurzzeitig den Lechweg und machten einen Abstecher zur Holzgauer Hängebrücke. Sie überspannt in 110 Metern Höhe die Höhenbachtalschlucht. Mit ihren 200,5 Metern war sie einst die länsgte Hängeseilbrücle in Österreich. Offiziell eröffnet wurde sie gemeinsam mit dem Lechweg im Juni 2012. Aber wer nicht möchte, muss da nicht drüber, der Lechweg umgeht sie über den Simms-Wasserfall.

Café Uta

Das nachste Highlight wartete etwa 1,5 Kilometerentfernt auf uns. Wir wanderten bis zum Café Uta. Hier schlemmten wir enorm, es gab tolle Gerichte. Ziegenkäse, Kaiserschmarrn, hausgemachte Kuchen und leckere Schorlen – einfach gut.

Der Simms-Wasserfall

Auf dem Weg wieder zurück im Höhenbachtal sahen wir schließlich den imposanten Simms-Wasserfall. Laut tosend fällt das Wasser zwischen den Felsen heraus. Das ist vom Herrn Simms schon echt filmreif hergestellt worden.

Wissenswertes zum Simms-Wasserfall: Der Wasserfall wurde am Ende des 19. Jahrhunderts vom Engländer Frederic Simms durch Sprengungen angelegt. Der Wasserfall ist etwa 30 m hoch und wird vom Höhenbach gespeist. Seit einigen Jahren wird wieder ein Teil des Wassers in das ursprüngliche Bachbett abgeleitet… Im Winter gefriert der Wasserfall zu und kann zum Eisklettern genutzt werden. (Quelle: https://www.lechtal-info.com/touren/simms-wasserfall-schigge.html)

Seit September 2016 gibt es hier auch einen Klettersteig, den Erlebnisklettersteig Simmswasserfall/Holzgau. Es geht über den Wasserfall hinweg und an ihm entlang und macht gewiss richtig Spaß. Vielleicht schaffen wir es nochmal, diesen zu erklettern, gell Anita? :-)
Die Schwierigkeiten der 3 Routen: Gamsrunde B/C (mäßig schwierig/schwierig), Steinbockrunde: C (schwierig), Adlervariante: D/E (sehr bis extrem schwierig).

Abschied in der Höhenbachtalschlucht

Unweit des Simms-Wasserfalls verabschiedeten wir uns von Sigrid Wolf, unserer Lechtaler Kräuterhexe. Sie hat uns wirklich ein paar Schätze des Lechtals gezeigt und den Blick für Wildkräuter weiter eröffnet. Danke sagen wir ganz lieb für die Stunden mit dir.

Holzgau

Wir unterwandern die Hängeseilbrücke, und nach etwa 16 Kilometern befanden wir uns im durch seine hübsche Fassadenmalerei bekannten Ort Holzgau. Schön, dass der Lechweg hindurch führt, so konnten wir die tollen Fassaden genau betrachten.

Interessantes zur Lüftlmalerei in Holzgau: Die Zeit der wohlhabend gewordenen Handelsleute des Lechtals zeigt sich deutlich anhand der „Prachtbauten“ im Ortsbild von Holzgau. In der Zeit von 1780 bis etwa 1840 kehrten die vor allem in den Niederlanden tätigen Händler in ihr Heimatdorf zurück. Sie entschlossen sich, ihre Häuser um- oder neu zu bauen. Ein eindrucksvolles Mittel zur Demonstration ihres Reichtums und Erfolgs bildete die Fassadenmalerei mit Anleihen aus der Schlossarchitektur und Kirchenmalerei. Die Motive waren häufig Szenen und Gestalten aus der Heiligen Schrift. (Quelle: https://www.lechweg.com/de/am-weg/highlights/ortszentrum-holzgau/)

Wassertretbecken

Nach etwa 17 Kilometern überqueren wir den Lech, kurze Zeit später den Mühltalbach, der allerdings sehr ausgetrocknet daherkam, wandern an Dürnau vorbei und alsbald wieder am Lech entlang. Der plätscherte uns mit seiner unwiderstehlichen türkisen Farbe entgegen und wir genossen jeden Schritt. Auch wenn diese Etappe wirklich anstrengend war…

Das Kneipp-Tretbecken kurz vor Steeg nutzten wir und kühlten unsere heißen Wanderfüße. Das tat so richtig gut! Selbst Anita, die empfindliche Füße hat, genoss das kühle Nass. Auch die Arme durften ins Wasser…

Steeg

Den Hägerauer Wasserfall entdeckten wir kurz nach dem Wassertretbecken – auf dieser Etappe gibt es wirklich viel Wasser, das fällt…
Nach knapp 21 Kilometern erreichten wir eine weitere Brücke, die uns über den Lech führte. Nach einem weiteren Kilometer erreichten wir unser Ziel, Steeg am Lech. Unsere Unterkunft das “Haus Lechblick” war schnell gefunden und wir bezogen unsere Zimmer…

Die Krise

… ja und was war denn das?

Anita legte sich auf ihr Bett und ihr war nach dieser Etappe, nach unserem 5 Wandertag eigentlich klar, dass sie nicht weiter geht. Sie war einfach kaputt. Es tat nicht wirklich etwas weh, es war einfach Schwäche, die sich im ganzen Körper breit machte. Essen wollte sie nichts, wir überredeten sie aber mitzukommen zum Abendessen.

Fazit

Unsere 5. Etappe war etwa 22 Kilomter lang, 570 Meter ging es hinauf, sie war abwechslungsreich, es ging hoch und runter, der Schweiß ronn anständig.
Eine Wanderung mit einer Kräuterhexe können wir dir sehr empfehlen, wir haben viel gelernt.
Wie es mit Anita weiter geht, lest ihr im nächsten Beitrag…

Highlights

Ganz klar war in dieser Lechweg Etappe 5 der Simms-Wasserfall unser Highlight. Er stürzt mit viel Getose in die Tiefe – und die Schmetterlinge, die wir dort im feuchten Moos und ganz in der Nähe des Wasserfalls trafen, haben uns sehr begeistert. Man muss sich das so vorstellen, dass dort in direkter Nähe auch immer Wind ist. Diese kleinen Geschöpfe können sich eigentlich gar nicht richtig halten – aber irgendwie geht es doch.

Ausrüstungsempfehlung

Du benötigst für diese Lechweg Etappe 5 von Elbigenalp nach Steeg keine alpine Ausrüstung. Wanderstiefel, Trekkingstöcke und atmungsaktive Kleidung sind von Vorteil. Auch ein Sonnenhut hat sich bei uns bewährt. Genügend Wasser und Verpflegung solltest du ebenso dabei haben.

Unterkunft

Wir schliefen um Haus Lechblick, eine einfache, saubere Unterkunft mit netten Gastbegern. Direkt am Lech gelegen hat man ihn bei geöffnetem Fenster auch immer im Ohr.

Weitere Etappen im Blog
Weiterführende Links
Offenlegung

Den Lechweg erkundeten wir während einer Wander-Recherchereise. Zu dieser wurden wir vom Verein Lechweg eingeladen. Wir bedanken uns dafür herzlich!
Die Kooperation beeinflusst unsere Sicht auf Dinge allerdings grundsätzlich nicht und wir geben hier ausschließlich und ehrlich unsere Beobachtungen wieder.

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