Wandertrilogie Allgäu – Das Kloster Irsee – Porta patet, die Tür steht offen!

Nach unserer Ankunft mit der Deutschen Bahn in Kaufbeuren, einem Themenort der Wandertrilogie Allgäu, begaben wir uns zum Schwäbischen Tagungs- und Bildungszentrum Kloster Irsee.
Hier war geplant, eine Nacht zu verbringen, um uns am nächsten Morgen munter und frisch gestärkt auf eine Etappe der Wiesengängerroute zu begeben.

Da die Geschichte wieder mal so interessant und auch traurig ist ist, werde ich euch heute ein wenig mehr darüber schreiben als sonst.

Die Geschichte des Klosters Irsee

Wie so viele Klöster, hat auch diese Kloster eine sehr bewegte Geschichte.
1186 auf dem Irseer Burgberg als Benediktinergemeinschaft errichtet, wurde es wegen Wassermagels schon 1190 am jetzigen Standort neu gebaut.
Das Kloster wurde der heiligen Maria geweiht.
Der Name Irsee stammt wohl vom damaligen Markgraf Heinrich von Ronsberg, dessen Stammburg Ursin hieß. Zweimal wurden die Klosterbauten zerstört (Brand im Jahr 1416 und während der Bauernkriege 1525)  und mussten wieder aufgebaut werden.

Während des 30-jährigen Krieges verschwand der Kirchenschatz und der wertvolle Inhalt der Klosterbibliothek – trotz allem schaffte es die Klostergemeinschaft unter der Leitung tatkräftiger Äbte, diese schweren Zeiten zu überstehen und gestärkt aus Krisen hervorzugehen.

1699 stürzte der Turm der romanischen Klosterkirche ein, ein Neubau wurde geplant. Unter Abt Romanus Köpfle wurde die barocke Kirche errichtet und 1707 legte Abt Willibald Grindl den Grundstein für die schöne Klosteranlage, wie wir sie heute vorfinden.

Irsee wurde unter bekannten Äbten zu einem Zentrum des geistigen und wissenschaftlichen Lebens.

Auch die Musik spielt in der Geschichte des Klosters eine große Rolle. Pater Meinrad Spieß machte als Komponist und Musikgelehrter das Kloster Irsee zu einem Zentrum barocker Musikkultur. Hier eines seiner Werke.

Die Säkularisierung schließlich beendete das Wirken der Benediktiner.
1802/1803 wurden die Klöster in Bayern aufgelöst.

Begriff Säkularisierung (Wikipedia): Übergang einer Sache aus dem Eigentum der Kirche (Bistümer und Klöster) in das von (nicht fürstbischöflich regierten) Staaten. Säkularisierung … ist die Abschaffung der Staatsreligion und hat einen erheblichen Machtverlust der religiösen Institutionen, vor allem der Kirchen, zugunsten des Staates zur Folge.

Die dunkle und traurige Zeit des Klosters

1832 wurde hier die erste schwäbische „Kreis-Irrenanstalt“ errichtet. Das war an sich nicht schlimm. Ganz im Gegenteil, die Kranken wurden hier nach medizinischen Gesichtspunkten versorgt. Sie wurden beschäftigt in den Klostergärten und Werkstätten, in Schreiben, Rechnen und Malen unterrichtet, später auch in Musik und Gesang.
Aus 80 Patienten wurden schnell 300. Ein Neubau in Kaufbeuren sorgte für Entlastung.

Während des Dritten Reiches änderte sich diese positive Versorgung drastisch. Unheilbar Kranke wurden als „lebensunwert“ eingestuft – sie wurden auch hier in Irsee mit Entzugskost, Tabletten und Injektionen getötet. Von 1939-1945 wurden hier im Rahmen der Euthanasie mehr als 2000 Menschen in „Vernichtungsanstalten“ gebracht oder vor Ort umgebracht.

Traurig – aber Teil der Geschichte – es gehört dazu, dieses nicht unerwähnt zu lassen. Das sagte auch Markus Spies, der uns durch das Kloster führte. Dazu aber später mehr.

1972 wurde Kloster Irsee als Abteilung des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren aufgrund gravierender baulicher Mängel geschlossen.

Zustand der Türen bei Schließung 1972

1974 beschloss man sich zur Restaurierung und Umwandlung in ein Bildungszentrum, das „Schwäbische Tagungs- und Bildungszentrum Kloster Irsee“ öffnete 1984 seine Pforten. Es verfügt über 81 Gästezimmer und 15 Tagungsräume mit modernster Technik.

Soviel zur wirklich bewegenden Geschichte dieser alten Mauern. Es ist so interessant, was im Laufe der Jahrhunderte in diesen Gebäuden passierte. Gewiss gab es hier nicht immer nur Grund zur Zuversicht, aber das, was jetzt hier vor uns steht, ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Nach diesem etwas längeren Geschichtsrückblick wieder in die Gegenwart. Wir bezogen unsere Zimmer 🙂

Die Zimmer

Meines war ein kleineres, aber durchaus nettes Zimmer.

Was brauchst du mehr…

Bett, Schreibtisch, Schrank, kleiner Schrank mit Fernseher, und ein großes Fenster. Mehr brauche ich nicht.
Das Bad hatte alles, was notwendig ist, Dusche, WC, Waschbecken, Fön, und das Allerwichtigste: alles war sauber und freundlich hergerichtet. Ich fühlte mich willkommen.

Der Schreibtisch gefiel mir. Hier könnte ich mir vorstellen zu arbeiten – tat ich aber während meines Aufenthaltes nicht.
Der Blick aus dem Fenster, am Schreibtisch sitzend, darf bei mir nicht fehlen.
Bad mit Sprossenheizung und Kosmetikspiegel
Ein großer Spiegel geht über die komplette Breite

Soviel zum Zimmer.

Als nächstes bekamen wir vom Leiter vom Vertrieb und Empfang Markus Spies eine nette Führung durch das Kloster und die Kirche.

Die Kirche

Diese Kirche ist eine Pilgerkirche und genießt eine hohe Popularität. Sie wird heute als katholische Pfarrkirche genutzt.
Eine Besonderheiten ist die Schiffskanzel. Der Kanzelkorb hat die Form eines Schiffsbuges, der Anker als Symbol der Hoffnung ist seitlich, Erzengel Michael wurde vergoldet an die Spitze gesetzt, über dem Schalldeckel ist ein Segel aufgezogen, an den Seilen betätigen sich Engelsputten.

Links die Kanzel, Blick zum Hochaltar

Eine weitere Besonderheit ist die Orgel der Kirche. Sie wurde 1752-1754 von Balthasar Freiwiß erbaut und ist noch fast original erhalten. Es ist eine Fensterorgel. Die Orgel umgibt das Mittelfenster der Westfassade.

Weiter ging es durch das ehemalige Kloster. Wir besuchten ein paar Tagungsräume, von denen es 15 verschiedene gibt, ließen uns den Zustand in den 1970er Jahren anhand von Beispielen zeigen, erfuhren über die musikalische und naturwissenschaftlichen Leistungen, die hier im Kloster vollbracht wurden – aber mit am imposantesten: die Deckenmalerei im Treppenaufgang.

Das Gemälde an der Decke heißt: „Der Triumph des heiligen Benedict“. Es fällt im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Rahmen und so groß, dass es kaum auf ein Foto passt.

Blick hinauf an die Decke

Ist das toll? Mich hat es total begeistert.
Wie lange mag der Künstler daran gemalt haben?
Beeindruckend!

Das ganze Innenleben des Kloster Irsee hat mich richtig fasziniert. Es hat ein modernes Flair, aber diese Einzelheiten, die an früher denken lassen sind großartig.

Flur im Schwäbischen Tagungs- und Bildungszentrum Kloster Irsee

Am Abend speisten wir schließlich im „Irseer Klosterbräu“.

Der Eingang zum Irseer Klosterbräu. Da wir draußen saßen, begab ich mich aber gar nicht hinein, deswegen kann ich nicht sagen, wie es innen aussieht.

Die Auswahl ist super, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Unsere Gerichte haben sehr gut geschmeckt, zum Schluss waren die Bedienungen etwas forsch, da ab 22:30 Uhr niemand mehr im Außenbereich sitzen sollte, wir aber dort warten mussten. Nachdem wir den Außenbereich verlassen hatten, war der kleine Ärger wieder verflogen und wir erinnern uns positiv an dieses Restaurant.

Das Frühstück

… nahmen wir in einem großen Raum ein, die Deckenmalerei wieder beeindruckend. Hier lasse ich auch einfach mal ein paar Bilder sprechen. Es gab alles, was der Magen begehrt, sehr lecker vor allem das Hausgemachte Müsli!

Nach dem leckeren und ausgiebigen Frühstück, bei dem wir uns auch Cappuccino und andere Kaffeegetränke extra bestellen konnten, begaben wir uns auf den ersten Teil unserer Wanderung der Wandertrilogie Allgäu. (Klick drauf und du gelangst zu einer Übersicht)
Das Kloster Irsee liegt direkt an der Wiesengängerroute, du könntest also von hier starten.
Die Etappe 2 der Wiesengängerroute führt von Kaufbeuren über das Kloster Irsee, Baisweil, Großried und der Waldmühle nach Bad Wörishofen.
Über diese Etappe lest ihr im nächsten Bericht über die Wandertrilogie Allgäu.

Die Wandertrilogie Allgäu besuchte ich (Claudia) im Rahmen einer Pressereise in Zusammenarbeit mit der Allgäu GmbH.
Ich bedanke mich herzlich für die Einladung.
Unsere Meinungsbildung erfolgt grundsätzlich frei von Einflüssen.

Weitere Informationen:

Kloster Irsee

Wandertrilogie Allgäu

 

 

4 Kommentare

  1. Hi Claudia,
    da kann ich mich Jörg nur anschließen! Ich bin eben doch ein bisschen ein Kulturbanause – zumindest wenn sich Kultur zwischen Wänden abspielt – und stehe dazu! 😍

    „… zum Schluss waren die Bedienungen etwas forsch“, das hast du lieb formuliert und mir damit ein breites Grinsen geschenkt.

    Sche wars wenns do warst … würde der Bayer sagen

    Liebe Grüße
    Petra

    • Liebe Petra, danke dir.
      Das freut mich außerordentlich, dass du grinsen musstest. 😀
      Schön, dich auf dieser Reise kennengelernt zu haben!
      Liebe Grüße
      Claudia

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