24h Trophy von Wernigerode – sind wir jetzt infiziert?

Wandern rund um die Uhr

Nun haben wir es getan, unsere erste 24-Stunden-Wanderung liegt hinter uns. Und vorneweg: es wird aus verschiedenen Gründen nicht die letzte gewesen sein! Warum, das erfahrt ihr in diesem Bericht.

Dauer: 24:03 Stunden (mit Pausen), 17:03 Stunden (in Bewegung)
Länge: 74,5 km
Höhenmeter überwunden: ↑ 2090 m ↓ 2080 m
Durchschnitt: 4,4 km/h

Vorbereitung

Wir haben uns bei der 24h Trophy von Wernigerode angemeldet. Und das schon Ende 2016. Genügend Zeit, um ein Hotel zu besorgen. Wir haben ein sehr gutes bekommen, nämlich eines keine 100 Meter entfernt vom Marktplatz, wo die 24h Trophy startet. Über das Rathaus-Hotel werden wir euch aber in einem weiteren Bericht etwas schreiben.

Wir trafen am Freitag Abend schon in Wernigerode ein, es blieb uns genügend Zeit zur Akkreditierung. Jede Menge Respekt fühlten wir, wenn wir an unser Vorhaben dachten. 24 Stunden wandern – das ist schon echt lange. Durch die Nacht hindurch, im dunklen Wald… ja, da wurde uns irgendwie anders.

Aber wir wollten es, wir wollten durch kommen und gemeinsam durch das Ziel auf dem Marktplatz traben. So war es geplant. Dass es anders kam, wussten wir da noch nicht…

Interview mit Toni Grassl

Bei einem Gespräch mit dem Chef der Grassl Event und Promotion Service GmbH, Toni Grassl, erfuhren wir allerhand Interessantes rund um dieses Event und das Drumherum.

Toni nahm sich viel Zeit für uns und wir kamen nett ins Plaudern. Was wir mitnahmen für den folgenden Tag war die Aussage: es ist kein Wettbewerb, sondern eine Erlebniswanderung, die Spaß machen und als Herausforderung angesehen werden sollte.
Wernigerode ist für ihn als Ausrichter deswegen interessant geworden, weil es das nördlichste Mittelgebirge ist und der dominante Brocken mit seinen 1142 Metern ein ideales Ziel für Wanderer. Das Wanderwegenetz ist super gut ausgebaut, was einen weiteren Pluspunkt für diesen Austragungsort darstellt. Dass die Kontakte über einen Wanderer geknüpft wurden, der in Berchtesgaden bei der 24h Trophy teilnahm, ist ein weiterer Fakt, den Toni Grassl uns verriet.
Auch sagte er, dass sich Freundschaften entwickeln bei solchen Extremerfahrungen. Na, das wollten wir doch mal sehen am nächsten Tag.

In der Nacht schliefen wir nicht so gut wie sonst, die Gedanken kreisten um den morgigen Tag…

Der Start

Nach einem üppigen Frühstück trafen wir um 7:30 Uhr auf dem Marktplatz Wernigerode ein. Die 12h-Wanderer waren schon unterwegs und alles drehte sich nun um die 24h-Wanderer.

gute Laune 🙂 so schön…

Es gab zu essen und zu trinken, hier konntest du alles nochmal auffüllen. Danach gab es Reden, der Moderator stellte uns unsere Guides und den Masterguide Eddy vor. Dieser erzählte uns trotz defektem Mikrofon etwas über die kommenden 24 Stunden mit ihm. Er spornte uns an… Ja, das kann er. Anspornen.

Gleich geht es los!

Aber auch ein Eddy ist vor so einer Tour aufgeregt. Er sagt das zwar nicht öffentlich, aber du merkst es ihm an. Er ist angespannt. Wird alles klappen? Ist der Weg gut für die 100 Starter?
Vielleicht zu anstrengend?

Los geht’s

Pünktlich 8:30 Uhr schneiden Wernigerode-Tourismus-Chefin Erdmute Clemens, Toni Grassl, Masterguide Eddy und die 3 weiteren Guides das Band durch und wir starten.

In der Westernstraße

Es geht die Westernstraße hinauf bis zur Westerntorkreuzung, von dort über die Salzbergstraße Richtung Armeleuteberg. Das Tempo ist gut, alle sind fit, so bewegen sich 104 Wanderer in den Wald hinein. Es ist gewiss ein lustiges Bild, wenn so viele top ausgestattete Wanderer an einem vorbei laufen.
Nicht selten sahen wir große Augen, bei den Worten: „da kommen noch mehr“ wurden die Augen nicht kleiner. Wir waren eine auffällige Schlange 24h-Wanderer, die das Ziel hatten, irgendwann am nächsten Morgen nach 74 Kilometern wieder auf dem Marktplatz zu stehen. Wahnsinn…

9:15 Uhr Armeleuteberg

Am Kaiserturm auf dem Armeleuteberg gab es die erste kurze Pause.

Am Kaiserturm

Unsere Beine waren toll, wie sollte es auch anders sein nach knapp 3 Kilometern und nur 250m Höhenmetern. Schließlich sollten es noch mindestens 1750 Meter mehr werden, die wir hinauf mussten. Ein Stückchen weiter der erste Stempelkasten der Harzer Wandernadel. Das ist bei den Wanderungen hier im Harz natürlich noch ein Highlight. Du bekommst im Starter-Paket auch ein Wandernadel-Stempelheft und kannst so die auf dem Weg liegenden Stempel mitnehmen.

Hier merkten wir aber, dass uns das Stempeln nicht so gut gefiel, denn: die Gruppe lief weiter und wir befanden und nach dem Stempeln richtig weit hinten, wurden sogar gefragt, ob es uns zu schnell sein. Nein, das war es nicht, wir waren fit und waren gar nicht wegen der Kraft so weit hinten 😀

Unsere Wander-Schlange

Nun denn, es gab genügend Zeit, um wieder aufzuholen. Spätestens an einer der Kraxel-Stellen oder wenn der Weg geflutet war durch die Regenfälle in der letzten Woche im Harz (ihr habt gewiss gelesen, wie wässrig es in Wernigerode und Umgebung dieses Mal war) konnten die Hinteren immer wieder aufschließen.

Die Überschwemmungen der letzten Wochen waren auch hier nahe der Steinernen Renne sichtbar. Der Weg war etwas weg gespült…

Grundsätzlich wurde sehr aufgepasst, dass niemand den Anschluss verliert. Hinten gingen 2 Guides, einer hielt sich oft im Mittelfeld auf und Eddy lief vorn. Eine gute Aufteilung – und da sich solch ein Feld gut auseinanderzieht, standen sie auch im telefonischen Kontakt.

Eddy bat die schwächeren Wanderer zu sich nach vorn, die Motivation ist einfach größer, wenn diese nicht ständig nur am Ende laufen. Wir befanden uns meistens im Mittelfeld.

11:40 Uhr Steinerne Renne

Hier gab es nun die erste Rast mit Verpflegung. Wir füllten die Flaschen im Rucksack nochmal auf, wir wussten, dass es anstrengend wird. Es ist ratsam, bei jeder Verpflegungsstelle die Flasche/Trinkblase aufzufüllen. Später, in der Nacht, vergaß ich dies leider und es wurde echt trocken unterwegs…

Hier an der Steinernen Renne gab es Waffeln, Hanuta, frisches Obst, Frucht-Riegel und diverse Getränke. Endlich sprachen wir nun auch mit Doreen und Jola, die uns auf unserer facebook-Seite schon verrieten, dass sie dabei sind und sich freuen, uns kennenzulernen. Wir freuten uns ebenso – und nun hatten wir uns erkannt und redeten einfach drauf los. Das war so schön 🙂

Aber die Pause dauerte nicht lange, Eddy achtete darauf, dass wir den Zeitplan einhielten. Weiter ging es über die Brücke in den Wald hinein, Richtung Ottofelsen, an dem wir zum Fotos machen und Stempeln 10 Minuten Pause machen durften 🙂

Ab durch den Wald
Auf dem Ottofelsen. Hach, da war ich als Kind schon so oft 🙂
Naaaa? Ein paar extra Höhenmeter gefällig?
13:00 Uhr Der Hohnehof und der Regen

Bis zum Naturerlebniszentrum Hohnehof war es nun nicht mehr weit, wir laufen über die Eschwegestraße, durch den Wald. Die erste große Pause wartete auf uns – und ein warmes Essen. Wir wurden wieder empfangen vom Verpflegungs-Team, das immer sehr engagiert war, dass alles vorrätig war für uns. Wieder standen Getränke, Obst, Käsewürfel, Brezel und Snacks bereit. Und eine Kartoffelsuppe mit Bockwürstchen. Hier musste zwar etwas angestanden werden, aber wir hatten ja Zeit. Große Zelte waren aufgebaut, Bierzeltgarnituren darin – aber diese reichten nicht für alle, denn nun kam der erste große Regen. Etwa eine dreiviertel Stunde kam das kühle Nass vom Himmel.

Mittagsessen – vor dem Regen

Wir stärkten uns mit Kartoffelsuppe, Käsewürfel und Nektarinen.

Wir sind gut drauf 🙂
Der Regen kommt
Alles leer. Nur ein paar verwaiste Wanderstöcke und die leeren Getränkeflaschen erinnern an Wanderer. Der Baum rechts hinten schaut schon ganz bedröppelt
Ohne Worte…

Aber der Regen sollte nur bis 14 Uhr andauern – laut meiner Wetter-App. Und so sollte es sein. Pünktlich zum Ende der Pause ließ er nach und wir machten uns wieder auf den Weg. Mit dabei ein Ranger, der uns bis nach Schierke begleitete. Er hatte allerhand Wissenswertes für uns parat, diese Ranger lieben ihren Wald und ihren Nationalpark. Das merken wir immer wieder. Auch hier in unserem Nationalpark Hunsrück-Hochwald durften wir schon einige kennenlernen und wir schätzen sie und ihre Arbeit sehr.

Der Ranger erklärt den Harzwald
Das Rascheln im Wald

Was nach dem Hohnehof recht lustig war: das Rascheln im Wald. Die Regencapes für Mensch und Rucksäcke machten so lustig Geräusche 😀
Wir bemerkten auch, dass mir diese Rucksack-Abdeckung fehlte, nach dem Waschen des Rucksackes ist sie nicht wieder hineingewandert. Naja. Der Trekking-Schirm deckte auch den Rucksack mit ab. Zum Glück.

Nebel steigen auf, eine nahezu mystische Stimmung
Hohe Bäume, kleine Wanderer
Manche Wege waren sehr nass. Wir hatten aber so gutes Schuhwerk gewählt, dass nichts nass wurde von außen.
Die Feuersteinklippen bei Schierke

Der Bahnhof von Schierke wird von uns nach ca. 8 Stunden erreicht.

Nach Überquerung der Schienen laufen wir Richtung Schierke, welches vom Bahnhof noch ein paar Minuten entfernt ist. Im Kurpark treffen wir auf bewundernde Männer. Sie haben gutes Hasseröder dabei – und sie geben uns einen winzigen Schluck davon ab. Das war lecker 😀
Eine kurze Pause gibt es noch vor dem Anstieg zum Brocken über das Eckerloch.

Kurze Pause am neuen Parkhaus am Winterbergtor in Schierke
Das Eckerloch

Schon einmal sind wir über dieses zum Brocken aufgestiegen – 2014 mit den Mädchen gemeinsam. Damals mit viel Regen – das sollte heute besser sein, denn es zeigte sich sogar mal der blaue Himmel. Los ging es. Und wir liefen gut. Zwar nicht ganz vorn, aber auch nicht ganz hinten, wir fühlen uns fit.

Da geht’s zum Brocken
Die Harzquerbahn mussten wir vorbeifahren lassen

Wir überholen einige – und kommen doch als Letzte am Brocken an. Wie ging das?

19:00 Uhr: Am Brocken

Wir durchlaufen, wie uns die Schilder vorgeben um den Brocken herum auf dem Gipfelrundweg. Es ist neblig hier oben. Nahezu unheimlich.

Auf dem Gipfelrundweg

Noch ein Stück weiter sehen wir dann: Eddy, der als Schluss-Guide lief, ist schon da und alle, die wir hinter uns gelassen hatten 😮

Wie ging das?

Wir vermuten, dass er mit ihnen eine Abkürzung gelaufen war. Wir hatten nun selbst nicht viel Zeit auf dem Brocken – aber es war auch wirklich ungemütlich hier. Viele hatten sich nach innen begeben, dort gab es wohl heiße Getränke und Brockensplitter. Naja, leider nicht für uns.

Wir tranken ein Radler, das war auch gut.

Richtig weit schauen konnten wir an diesem Tag nicht, aber einmal kurz tat sich der Blick Richtung Wernigerode auf. Erkennt ihr es?

Kurze Zeit später ging es schon weiter, nun denn. Weiter Richtung Wurmberg. Wir liefen über den Neuen Goetheweg an den Schienen der Harzquerbahn entlang und über den Grenzweg. Auf diesem musste man sich arg konzentrieren. Zum Teil waren die Platten zugewachsen, zum Teil aber eben auch nicht. Da war die Umknick-Gefahr sehr groß.

Eddy geht mit einigen noch hoch zum Wurmberg, wir bevorzugen den steigungstechnisch einfacheren, wenn auch nicht kürzeren Weg.

21:15 Ankunft Loipenhaus
das Loipenhaus mit Mond

Angekommen im Loipenhaus am Wurmberg erwartet uns ein weiteres warmes Essen. Nudeln mit Bolognese oder Tomatensoße, dazu gab es Salat und Getränke. Wir stärken uns anständig, ziehen uns trockene Sachen an, und erwägen einen Schuh-Tausch. Am Start in Wernigerode konnten wir einen Schuh-Beutel erwerben (5,- Euro), dieser mit Schuhen gefüllte Beutel wurde dann zum Loipenhaus transportiert. Anita entscheidet sich dafür, ich mich dagegen, die Schuhe zu wechseln. Zu gut lief ich darin. Frische Wrightsocks-Strümpfe gab es allerdings für mich. Wir waren fit, mit Stirnlampen ausgestattet ging es nach einer angenehmen Pause weiter.

Gleich geht’s weiter in die Nacht

Wir laufen bergab, wurden angehalten, den Abstand zum Vorder-Wanderer nicht groß werden zu lassen. Plötzlich höre ich von hinten ein leises Rufen – das aber nichts Gutes verhieß. Ich kenne Anita und diese Stimmfarbe – da war etwas nicht in Ordnung.

Wir laufen beim Reden weiter und sie sagt mir, dass sie große Schmerzen im linken Knie hätte. Wir überlegen, was zu tun ist – Anita möchte so gern ankommen! Wir möchten so gern zusammen am Morgen durch das Ziel auf dem Wernigeröder Marktplatz laufen…

Eine Schmerztablette später wird es auch nach eineinhalb Stunden nicht besser. Anita ist ein Kämpfer, sie beißt die Zähne zusammen. Es merkt fast niemand, dass etwas nicht stimmt, wir halten die Geschwindigkeit relativ gut. Aber nur unter Schmerzen bei Anita.

Ich mache mir Sorgen. Wie soll sie das schaffen bis zum Morgen?

Wir versuchen noch eine weitere Schmerztablette – mit einem anderen Wirkstoff.

Aber es wird nicht besser.

Bei Elend auf einem Parkplatz informieren wir Masterguide Eddy. Anita entscheidet sich, es weiter zu versuchen. Unter Schmerzen geht es noch bis zur Talsperre Mandelholz und dann die Entscheidung: ein Guide muss her, es geht nichts mehr! 🙁

Anita wurde so lieb behandelt nach ihrem Ausstieg, das Shuttle holte sie an der Straße ab, wenige Meter vom Wanderweg entfernt, sodass der Weg dorthin nicht mehr solch große Schmerzen bereitete. Der Guide Christian, der sie bis zur Straße brachte und den Rucksack trug war Gold wert. Lieben Dank Christian!
Anitas Bilanz: 52 Kilometer – eine tolle Leistung. Noch nie vorher ist sie so weit gewandert!
Ich bin mächtig stolz auf dich :-*

0:55 Uhr
Ich ging weiter.
Traurigkeit machte sich breit.
So gern wollten wir gemeinsam ankommen, das ging nun nicht mehr.
Ich fühlte mich irgendwie verloren im Dunkel, obwohl viele Menschen um mich herum waren.

Wir liefen über die Staumauer der Mandelholztalsperre bis zum Wasserfall bei Königshütte, wo eine nächste Versorgungsstelle eingerichtet war. Hier traf ich Anita noch einmal, sie saß im Auto. Ich musste ihr versprechen durchzuhalten.

Ich versprach es!

Am Wasserfall Königshütte. Wundervoll ausgeleuchtet mit Fackeln.

Es war schön hier. Mit Fackeln war der Wasserfall beleuchtet, es gab Kaffee und Kuchen – leckeren Kuchen. Ich suchte mir einen Platz zum Sitzen, allein ist’s irgendwie anders. Ich bekam einen Platz angeboten beim Frauchen von unserem Wander-Husky Teriok. Diese Beiden haben mich begeistert und halfen mir unbewusst.
Einen Kuchen später kehrten ein paar optimistische Gedanken zurück.
Ich wollte es schaffen, am Morgen noch dabei zu sein.

Wir liefen weiter in der Nacht. Die Müdigkeit war da, aber ich lief einfach weiter. Einmal wollten die Augen einfach zu fallen, aber sie fielen nicht. Ich hörte mir die Gespräche der Mitwanderer an. Nicht aus Neugier, sondern weil das Zuhören gut tat. Ich weiß davon auch kaum mehr etwas, für den Augenblick aber war es gut, über das Gesagte nachzudenken.

Es ging vorbei am Kalkwerk Hornberg, welches einen dollen Radau machte. Unweit von Elbingerode liegt es und wir fragen uns, ob man das im Ort nicht hört?

4:00 Uhr Schaubergwerk Büchenberg

Wir erreichen unsere letzte Versorgungsstelle der Wanderung, das Schaubergwerk Büchenberg. Es gab leckere Schnittchen, Kaffee und die sonstigen Leckereien. Die Gastgeber am Büchenberg waren sehr bemüht, dass immer frischer Kaffee zur Verfügung stand.
Medizinische Hilfe wurde auch nötig, eine Mitwanderin hatte arge Kreislaufprobleme. Hilfe war schnell da und kurze Zeit später lief auch sie wieder herum. Zum Glück.

Ich kam mit einigen Mitwanderern ins Gespräch. Endlich.
Ich hätte im Verlauf wohl den Platz gewechselt von außen, wo es sehr frisch war, in den Innenraum, aber mir tat die Gesellschaft so gut, dass ich blieb. Hier sprach ich auch bewusst das erste mal mit Edmund und Sabine. Sicherlich redet man ab und zu vorher schon mal, aber nun taten wir es bewusst.

6:10 Uhr: Scharfenstein – musste das wirklich?

Der Weg führte weiter – bergab und bergauf. Und es wurde hell! Es war ein tolles Gefühl zu sehen, dass wir dem Sonnenaufgang entgegenliefen. Mich motivierte das nicht großartig zusätzlich, ich war nach dem Kaffee wieder fit.
Körperlich waren wir aber alle recht kaputt und dieser Anstieg zum Scharfenstein war irgendwie unnötig. So erzählen wir uns unterwegs. Aber wir gingen natürlich hinauf 🙂 Es war nicht steil, nicht vergleichbar mit anderen Steigungen in den letzten Stunden.
Oben eine kurze Rast – wer stempeln wollte, konnte den Zusatz-Weg zur Stempelstelle gehen. Einige taten dies, ich aber nicht. Ich hätte mich gern hingesetzt, aber ich wusste nicht wohin. Das Gras war nass, und ich hatte keinerlei draufsetzbares Ding dabei. Naja, blieb ich stehen.

Am Scharfenstein

Nun denn, nach ein paar Minuten gingen wir weiter, das Ziel nahte. An den Weg bis zur Kletter-Rutsch-Einlage am aldi in Nöschenrode kann ich mich irgendwie nicht mehr so gut erinnern, wir gingen aber viel bergab.

 

Eine kurze Rutsch-Einlage später waren wir im Christianental angekommen. Kurz vorher retteten Sabine und Edmund mich – mein Wasservorrat war alle. Ich hatte nicht mehr ans Nachfüllen gedacht! Einen lieben Dank an euch, die ihr eure letzte Cola mit mir teiltet!

Die Tiere dort im kleinen Wildpark waren recht erstaunt ob der vielen Besucher so früh am Morgen. Ich musste feststellen, dass es sich echt lang hinzieht – als Kind kam mir das nie so lang vor! Am obersten Ende angekommen bogen wir links in den Wald ab und gehen über den Annaweg auf den Agnesberg. Von hier hatten wir eine super schöne Sicht auf das Schloss.

Ich war froh, aber irgendwie auch so traurig, konnte mich nicht so recht an der Ansicht erfreuen.

Auf dem Agnesberg mit Blick zum Schloss

Der Wunsch nach einem Gruppenfotos mit diesem tollen Hintergrund wurde von Eddy erfüllt – ich wusste noch nicht, dass ein Panorama in dieser Geschwindigkeit brauchbare Fotos liefert. Bin gespannt auf das Ergebnis 😉

Der Weg führt weiter, hinunter zum Schloss, und an diesem wurden wir toll mit Blasmusik empfangen. Schaut euch mal das kurze Video an:

 

Panorama vom Schoss Wernigerode
Doreen, unser „Fan“ 🙂

Der Weg war nun nicht mehr weit. Ein kurzer Weg bis in die Stadt, wir wurden begleitet von Vize-Bürgermeister Friedrich. Die Burgstraße geht es hinab, am Ende dieser sammeln wir uns und es gibt ein letztes Mal Anweisungen von Eddy. Wir sollen versuchen, durchs Ziel zu traben. Schön gesagt….

8:30 Uhr: Das Ziel

Wir biegen ab, links in die Breite Straße, gehen am Nikolaiplatz vorbei, und nun sehen wir schon bis zum Marktplatz. Und wir sehen Menschen, die schon jetzt applaudieren. Sie warten auf uns und sie freuen sich auf uns. Ich wusste gar nicht, was ich fühlen sollte. Wir wollten zusammen durchs Ziel laufen!

Aber ich tat es allein. Ich suchte Anita, fand sie hinter dem Ziel – wir trabten durch dieses und ich musste einfach nur weinen.

Einerseits war ich stolz, es geschafft zu haben, andererseits fühlte ich mich so unendlich traurig.

Anita war es auch nicht einerlei und so lagen wir uns weinend in den Armen.

Als wir uns gefangen hatten, wurden uns Beiden gratuliert. Ja und zu Recht. Anita hat gekämpft und gegen ihr Knie verloren. Wir haben im Anschluss noch tolle Gespräche geführt, mit Doreen und Jola und vor allem auch mit Sabine und Edmund. Es war wunderbar, euch kennengelernt zu haben und wir hoffen, dass wir nochmal zusammen wandern gehen.

Sabine und Edmund, toll euch kennengelernt zu haben!

Hier im Ziel gab es nun das Finisher-Frühstück. Es gab Weißwürste mit süßem Senf, Brezeln, Getränke und Obst, Joghurt und noch anderes, an das ich mich jetzt nicht mehr erinnere. Es gab die Siegerehrung, die Ehrung der Trophy-Könige, die Ehrung und Danksagung an die Guides und an das Team von grassl eps gmbh. Die haben wirklich ein tolles Event, bei dem für uns fast alles gestimmt hat, auf die Beine gestellt. Positiv zu erwähnen sein auch das Massagezelt im Ziel, in das wir gegen Ende der Veranstaltung unsere Knochen und Muskeln brachten.

Die Überreichung der Finisher-Urkunde
Die Guides (y)
grassl eps gmbh
Das tat weh – aber es war guuut…
Anitas Knie wird behandelt

Einen kleinen Kritikpunkt haben wir: wir haben sehr ein alkoholfreies Bier vermisst.
Alkohol gehört für uns nicht so richtig unterwegs dazu. Hinterher ok, aber während der Anstrengung: nur in geringsten Mengen.

Fazit:

Ich glaube, wir sind infiziert! Aus folgenden Gründen: Anita will und wird irgendwann mit mir durch dieses Ziel in Wernigerode laufen!
Weiterhin ist es eine wirklich wunderbare Erfahrung, sich zu überwinden, diese Anstrengung zu wagen und sie zu schaffen. Viele der Mitwanderer erleben genau die gleichen Gedanken von Zweifel und vielleicht Schmerzen. Jeder gibt etwas mehr von sich preis, als er/se vielleicht im normalen Leben tun würde.
Eben eine Grenzerfahrung, die irgendwie auch zusammenschweißt.

Respekt an alle, die sich dieser Herausforderung gestellt haben und stellen werden.

Masterguide Eddy, du hast einen tollen Job gemacht!
Weiterführende Links:

24h Trophy – Wandern rund um die Uhr

grassl event und promotion service gmbh

Wernigerode Tourismus

Hast du nun Lust auf so eine Extremwanderung bekommen?
Schau mal in unsere Übersicht zu den Wandermarathons und Extremwanderungen, da findest du gewiss eine für dich!

Ein toller Kerl! 24 Stunden mitgewandert und kaum aufgefallen. Teriok, der Wanderhund.
Irgendwann stehen wir hier wirklich beide mit Urkunde

5 Kommentare

  1. Hallo Claudia, hallo Anita,

    ein toller Beitrag. Der Dicke und ich haben uns sehr über das Dankeschön gefreut. Und hoffentlich sehen wir uns nächstes Jahr wieder und holen uns alle vier gemeinsam die Finisher-Urkunden ab…

  2. Hallo Claudia und Anita, auch von mir herzlichen Glückwunsch für diese verrückte aber supertolle Leistung. Als alte Wernigeröderin weiß ich, was das an Kraft gekostet hat, bin ich doch mal von Ilsenburg mit meinem Papi zum Brocken gewandert, aber zurück mit dem Zug. Ganz, ganz toll!!!!

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