Gastbeitrag: 340 wunderbare Kilometer mit dem Rad nach Kopenhagen – inkl. Tipps

Heute dürfen wir euch einen weiteren Gastbeitrag präsentieren. Nachdem Birgit mit ihrer Island-Reise begonnen hat, schreibt dieses Mal Katrin von ihrer Fahrradtour von Gedser nach Kopenhagen. Lasst euch von den Worten und Bildern verzaubern!

Ich möchte euch heute von unserer Fahrradtour Gedser-Kopenhagen berichten und euch ein bisschen Lust machen auf Fahrradfahren, auf Aktivurlaub, auf die Schönheit, die die Natur zu bieten hat. Und Mut, auch mal größere Radtouren in Angriff zu nehmen, es ist machbar (eigentlich bin ich total unsportlich), aber mit ein bisschen Training im Vorfeld, kann das jeder schaffen. Los gehts…

Wir – mein Mann, unser Sohn und ich – Katrin – wohnen in Nordbayern, daher sind wir mit dem Auto bis Rostock angereist und haben uns eine Übernachtungsmöglichkeit ganz in der Nähe vom Überseehafen in Rostock gesucht.
Wir waren im Landgasthof „Zur Eiche“ in Kessin, strategisch günstig gelegen, um am zeitigen Morgen rasch zur Fähre zu gelangen. Leider konnten wir das verführerische Frühstück dort nicht mehr genießen, weil wir gleich mit der ersten Fähre 9.00 Uhr starten wollten.
Den Abend zuvor haben wir schon mal die Möglichkeiten am Fährhafen Rostock inspiziert: Langzeitparkmöglichkeiten gecheckt, wie das mit den Tickets funktioniert, wie man mit den Rädern wohl am besten auf die Fähre kommt…
Danach ging’s durch den (kostenpflichtigen) Warnow-Tunnel auf kurzem Weg nach Warnemünde, wo wir noch einen traumhaften Sonnenuntergang erleben konnten – und eine Fischsemmel war natürlich ein Muss.

20.05.2018 Tag 1: Gedser – Stubbekøbing, 68,7 km

Überseehafen Rostock: Emsiges Gewusel, lange LWK-Schlangen, ein paar Pkws. Vereinzelte Motorradfahrer, kein einziges Fahrrad außer uns in Sichtweite.
Der Mann am Schalter verkauft uns eher mürrisch seine Tickets und erklärt, wo es lang geht. Wir kämpfen uns an quer stehenden Lkw’s vorbei und versuchen auf den 50 cm zu fahren, die für Räder vorgesehen sind.
Dann wird es besser: Die nette Frau am Durchfahrtsschalter weist uns mit den Rädern eine Spur auf der Mole zu – hier werden wir dann fündig, noch zwei andere abenteuerlustige Frauen auf Radtour und eine sehr sportliche Französin, die heute noch nach Kopenhagen will und dann weiter nach Oslo – mit dem Fahrrad wohlgemerkt, das sind von Gedser auf der Bundesstraße allein 200 km.
Endlich ist die Fähre in Sicht – Scandlines hat eine hervorragende Logistik, innerhalb von 20 Minuten wird ab- und aufgeladen, danach sticht das Schiff schon wieder in See.
Es ist ein erhabenes Gefühl, als Radfahrer zuerst auf eine komplett leere Fähre zu fahren – sowie selbige auch wieder als Erste zu verlassen – mit ungeduldigen schweren Lkws im Rücken – aber der dänische Koordinator bewahrt die Ruhe. Erst als wir 6 Radfahrer sicher auf dem dänischen Festland sind, dürfen auch die Autos raus. Ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie respektvoll man Radfahrern in Dänemark begegnet.

In Gedser ist das selbe schöne Wetter wie in Rostock, angenehme 20 Grad. Der beste Ehemann von allen ist unser Navigator, wir haben uns für die Strecke aus dem Bikeline-Radtourenbuch Berlin-Kopenhagen entschieden und vertrauen dem GPS.
Der erste Teilabschnitt bis Nykøbing ist eher ernüchternd, aber danach haben wir das Gefühl, in Dänemark angekommen zu sein.
Es geht quer über die Insel Falster – landeinwärts und es ist einfach nur „hyggelig“ – ein Wort was uns die ganze Woche begleitet und so viel wie “gemütlich” heißt – Dänemark, wie man es sich vorstellt – süße kleine Häuser, nette Rastplätze, entspannte Autofahrer. Eine großes Strecke des Weges führt über Nebenstraßen – die Autofahrer sind rücksichtsvoll und entspannt – das überrascht uns, das kennen wir so nicht von Deutschland. 
Und dann endlich Ostsee…

Der Radweg führt direkt entlang am Meer. Immer wieder glitzert es hinter den windgeschützten Bäumen, neben dem Fahrtwind genießen wir das Rauschen der Wellen und wir gönnen uns nach 30 km eine längere Pause am Strand.
Kurz vorm Endspurt entdecken wir zufällig hinter einem kleinen Waldweg ein verstecktes Café und essen hier unser erstes Eis – mit Logenplatz zum Meer.
Die letzten 20 km sind anstrengend – immer wieder gibt es unsichtbare Anstiege – mit 15 kg Gepäck zieht sich das ganz schön.

Doch dann haben wir unsere Tagesetappe geschafft und erreichen unsere erste Unterkunft in Stubbekøbing. Und sind beeindruckt! Wir sind im GAJ Backpackers zu Gast – bei Gudmundur, einem Isländer, und seiner dänischen Frau Anita. Das Haus ist von 1910 und wirklich alt, die Holztreppe knarzt, die Leitungen sind über Putz – macht nix, all das wird von liebevollen Details und so viel Gemütlichkeit mehr als ausgeglichen.
Auf dem Zimmer erwartet uns frisches Wasser, Kaffee, Teebeutel und ein Wasserkocher – sowas hatten wir noch in keiner Jugendherberge.
Stubbekøbing selbst ist eine kleine Hafenstadt mit 2300 Einwohnern, die viele alte Gebäude hat und eigentlich eine gepflegte Innenstadt, die aber leider ausgestorben ist. Wir sind froh, dass wir noch was zu Essen finden – auf Empfehlung von Gudmundur, irgendeine Mischung aus Italiener, Türke und Burger.
22.00 Uhr sind wir im Bett – freiwillig und sofort eingeschlafen.

21.05.2018 Tag 2: Stubbekøbing – Præstø, 65,6 km

Wir werden wach von Schritten über uns und dem verführerischen Duft von Kaffee und frischen Brötchen. Ich weiß bis heute nicht, ob das Annis und Gummis privates Esszimmer war – wir vermuten es aber.
Wir reisen viel und gern – aber so ein Frühstück hatten wir schon lange nicht mehr – wow (drum gibt es auch ein Foto).

Mit allem, was das Herz begehrt: Eier, Wurst, Käse, hausgemachte Marmelade, Müsli mit Skyr, Erdbeeren, Blaubeeren und Sahne – inklusive Erklärung, wie das die Isländer essen :-) – dazu – und das war der Hammer!!!!!!!  – selbstgebackene Brötchen von Anita und zum krönenden Abschluss diese leckeren und noch ofenwarmen, ganz frischen „Kanel ruller“ (Zimtschnecken ). Hmmmmm…. das war so lecker. Die zwei sind Herzensmenschen und eine Begegnung, die man nicht vergisst.
Noch erwähnen möchte ich den zweiten Gast im Haus – Christiane, eine junge Ärztin aus Berlin. Wir sind uns immer wieder auf der Strecke bis Kopenhagen begegnet und ein Stück des Weges gemeinsam gefahren. Christiane hat mich sehr beeindruckt – sie ist als Frau ganz allein gefahren, hatte nichts vorgebucht und besitzt kein Smartphone, lediglich ein klassisches Handy zum telefonieren. Sie braucht und will das nicht, weil sie in der Freizeit ihre Ruhe möchte aufgrund ihres stressigen Jobs als Ärztin in einer Klinik. Christiane ist einfach losgefahren mit einem Radführer, hatte Kopenhagen als Ziel und hat sich ansonsten durchgefragt und auf ihre Intuition verlassen, sie hat uns sogar gestanden, dass sie nicht mal einen Reifen flicken kann (kann ich auch nicht, aber ich hatte ja zwei Männer dabei) und darauf hofft, dass es Menschen gibt, die im Notfall behilflich sind – das hat mich fast ein wenig beschämt mit prallgefüllten Radtaschen und allen möglichen Eventualitäten im Gepäck…
Es geht also auch anders.

OK. Nach dem Frühstück aufgesattelt – etwas in Eile, denn um 10.00 Uhr ging es zuerst mal auf die Fähre.
Wir verlassen Falster und müssen auf die Insel Bogø – die kann man auch über eine Brücke erreichen, allerdings per Umweg mit 32 mehr Radkilometern.
Auch auf der Fähre sind uns wieder die entspannten und gelassenen Menschen aufgefallen, vom Fährmann bis zu den Passagieren. Die Überfahrt dauert 10 Minuten,  dann geht es 7 km über die Inselhauptstraße, was eher nervig ist, weil viel (rücksichtsvoller) Autoverkehr unterwegs ist und es konsequent bergan geht  – dann überquert man schon per Brücke den Sund und kommt auf die Insel Møn.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass für Møn im Reiseführer ein ganzer Radtag mit ca. 60 km eingeplant ist – man umrundet die Insel sozusagen.
Dort sind die berühmten „Møns Klint“ – bis zu 128 Meter hohe Kreidefelsen.
Wir haben uns das aus Zeitgründen gespart – zugunsten von zwei Tagen in Kopenhagen am Ende der Reise. Daher haben wir nur einen kleinen Teil von Møn kennengelernt – eine sehr beschauliche Landschaft mit blühenden Ginsterbüschen und gelben Rapsfeldern und einer langen wunderbaren Strecke an der Ostsee entlang – allerdings mit ziemlich heftigem Gegenwind.
Übrigens hatten wir das Gefühl, die einzigen Radfahrer weit und breit zu sein. Es waren kaum Menschen unterwegs und wir konnten die Einsamkeit und Ruhe der Natur voll genießen.
Bevor es über die 745 m lange Mønbroen nach Seeland geht, mussten wir noch gut 5 km an einer richtig befahrenen Straße ohne Radweg fahren, an uns vorbei fuhren Autos und Lkws – das ist das einzige Mal in Dänemark, dass ich mich wirklich unwohl fühle als Radfahrer auf der Straße. Das ist ungünstig gelöst, es gibt aber überhaupt keine Alternative.
Auf Seeland werden wir dafür mit Rückenwind belohnt und die Strecke wird wieder beschaulicher – „hyggelig“, ein landschaftliches Kleinod, allerdings ist es vor Præstø noch einmal sehr hügelig, ein stetiges auf und ab, irgendwann hab ich völlig frustriert im Reiseführer die Steigungen gezählt…. und es waren immer noch 6mal auf und ab. 
Præstø hat immerhin schon 3.800 Einwohner, wirkte auf uns aber genauso ausgestorben, wie Stubbekøbing.
Viele Häuser in der Innenstadt standen leer und waren zu verkaufen, scheinbar flüchten auch in Dänemark die Menschen in die Städte. Man konnte aber toll und für dänische Verhältnisse preiswert mexikanisch essen im Restaurant Kaktus.
Auch unsere Unterkunft war wieder prima – es war schon fast eine kleine Ferienwohnung inklusive Frühstück. Das wartete bereits fix und fertig im Kühlschrank für den nächsten Morgen, inklusive frischem Honig vom Vermieter, der nebenbei imkert – der war so lecker, dass ein Glas mit musste, trotz 500 g mehr Gewicht im Gepäck :-).

22.05.2018 Tag 3: Præstø – Køge 91,3 km

Wir starten schon um 9.00 Uhr nach einem leckeren Frühstück und einem Plausch mit der Vermieterin, die sprach gut deutsch – ebenso übrigens wie Anni in Stubbekøbing.
Wir bekamen noch Sonnenmilch von ihr geschenkt, weil die Apotheke im Ort erst um 10.00 Uhr aufmachte und sie meinte, dass auf dem Weg nach Køge keine Apotheke oder ähnliches am Radweg zu finden ist.
Was ich damit eigentlich sagen will: wir haben die Dänen sehr offen, herzlich und großzügig erlebt, extrem entspannt und immer freundlich.
Auch an Tag 3 starteten wir bei bestem Sommerwetter, 25 Grad schon am Morgen, einmal um die Bucht von Præstø. Im Reiseführer war die Strecke wieder als „stark befahren“ angegeben – erwartet hat uns dann das:

Das sind zwei Radspuren und eine Autospur, auf der man nicht mal überholen kann – fanden wir sehr spannend, welchen Stellenwert die Fahrradfahrer in Dänemark haben.

Auf halber Strecke in Rødvig haben wir Mittagspause an einer beschaulichen Bucht gemacht – tja – und wer saß dort bereits auf der Sonnenbank??
Genau, Christiane, die Ärztin aus Berlin. Wir haben dann eine Stunde gemeinsam Sonne, Ostsee und Wärme genossen und Christiane berichtete uns, dass sie am Abend zuvor etwas ziellos durch Præstø lief und eine Unterkunft suchte.
Dabei wurde sie von einer älteren Dame angesprochen, ob sie helfen kann – kurzerhand nahm diese dann Christiane mit zu sich nach Hause und hat ihr kostenlos ein Gästezimmer und Frühstück zur Verfügung gestellt und die Gesellschaft mit ihr genossen – waren wir schwer beeindruckt von so viel Gastfreundlichkeit.
Wir sind dann gemeinsam ein Stück bis Køge gefahren – durch die inzwischen vertraute „hyggelige“ Landschaft mit Wiesen, Feldern, gelbem Raps, duftendem Flieder und immer wieder Blicken aufs Meer, mal näher, mal weiter entfernt.
Kurz vorm Etappenziel ging die Strecke entlang einer Lindenallee mit stattlichen alten Bäumen – direkt oberhalb der Küste. Und das Beste war: Am Horizont konnte man schon einen Blick auf Malmö in Schweden und die Öresundbrücke erhaschen – ein Traum.

Køge selber kann man mit 37.000 Einwohnern fast schon als Großstadt bezeichnen :-). Trotzdem war die Stadt beschaulich und gleichzeitig lebendig – und sie liegt bereits im Einzugsgebiet von Kopenhagen.
Die 90 Tageskilometer sind übrigens 10 km in der Stadt selber geschuldet, die wir für uns am Abend noch per Rad erkundet haben. Wir hatten in Køge in einer Jugendherberge gebucht – bekommen haben wir ein „Mini-Reihenhaus“, was angenehme Privatsphäre vermittelt hat – den restlichen Service kann man in etwa mit deutschen Jugendherbergen vergleichen. Nicht zu empfehlen hingegen war das Essen – wir wollten mal typisch dänisch essen gehen und die Empfehlung am Hafen war ein mit 75 Euro (zu dritt) teurer Reinfall :-(.

23.05.2018 Tag 4: Køge – Kopenhagen 59,6 km (plus 15,3 km Kopenhagen am Abend)

Nach einem typischen Jugendherbergsfrühstück konnten wir bei 25 Grad (ich hatte eindeutig zu viele warme und zu wenig luftige Sachen eingepackt, wer denkt schon, dass es Mitte Mai in Dänemark wärmer ist als in Deutschland??) vom Danks Hostel direkt am Radweg starten – Endspurt, Kopenhagen schon in Sicht.
Und da war sie wieder: Christiane mit ihren auffälligen pinkfarbenen Ortliebtaschen :-). Bis zum ersten Bäcker in Dänemark überhaupt sind wir gemeinsam gefahren und haben uns dann verabschiedet – unwahrscheinlich, sich in Kopenhagen noch mal zu begegnen (war auch leider so). 
Der Bäcker war eine kleine Sensation!!! Im Vorfeld hatte ich mich so auf dänische Bäcker gefreut – ich hatte in meiner Erinnerung an einen früheren Dänemarkurlaub immer noch den grandiosen Geschmack von „Kanelbollern“ im Hinterkopf (Zimtbrötchen) und mir eingebildet, auf der Radtour täglich köstliches Gebäck bei den Bäckern vor Ort zu verspeisen…. aber nothing. Da war nix an der Strecke, ebenso wenig wie ein Metzger oder wenigstens ein Supermarkt. Es war tatsächlich eher ernüchtern, die Ortschaften so klein, dass es keine Geschäfte gab, so dass wir am Abend bei der Ankunft noch schnell in einem Supermarkt Äpfel und Bananen mitgenommen haben sowie Nüsse und Müsliriegel.
Irgendwie muss man sich ja behelfen… Ja – aber da war dieser Bäcker, kurz hinter Køge – ein Träumchen für die Sinne – erst mal eingekauft und ein schönes Plätzchen für die Leckereien gesucht.

Die Weiterfahrt nach Kopenhagen war eher wieder ernüchternd – ziemlich schnell ist es vorbei mit der Idylle und den Rapsfeldern, die Straßen werden breiter, voller und lauter. In den direkten Vororten von Kopenhagen wurde es wieder entspannter und der Radweg führte an einem kleinen Inselsteifen vorbei, an dem die Vögel brüteten, für uns nochmal ein schöner Stopp kurz vor Dänemarks Hauptstadt.
Die Ankunft in Kopenhagen war dann doch erstaunlich grün und der Radweg ging direkt entlang am Wasser. Man erreicht die Stadt über den neuen Stadtteil „Ørestad“, der mich sehr an die Hafencity in Hamburg erinnert hat.
Mir hat er gefallen – interessante moderne Architektur, die sich gut in Kopenhagen einfügt. Der Radweg Berlin-Kopenhagen endet direkt am Hauptbahnhof in Kopenhagen – daher war das auch unser Ziel.
Bevor es dann noch weiter zum Hotel im Stadteil Nørrebro ging.

Je näher wir dem Ziel kamen, desto überforderter habe ich mich erstmal gefühlt.
Nach 3 Tagen Einöde plötzlich Großstadt mit RICHTIG Verkehr, mit Brücken, Kreuzungen, unzähligen Ampeln.
Dazu 15 kg Gepäck, die man an der Ampel erst mal in Bewegung setzen muss. Plötzlich waren wir umringt von Radfahrern – mit Helm, ohne Helm, mit Sakko und wehender Krawatte, mit Anhänger, mit Kindersitz, mit Lastenrad, Mütter mit Kindern, Omas und Opas, Schüler, Geschäftleute, Touristen.
Meine zwei Männer „irgendwo da vorn in der Masse“ – und wieder war ne Ampel rot. Irgendwie sind wir angekommen am Bahnhof – ein eher unspektakuläres Ende der Reise – direkt gegenüber Tivoli – Kopenhagens Vergnügungspark.

Nach kurzer Rast hatten wir dann noch 5 km bis zum Hotel.
Nachdem wir uns frisch gemacht und wieder aufgetankt haben, mussten wir logischerweise noch los, um einen ersten Eindruck von Kopenhagen zu bekommen.
Erstes Ziel war die viel belächelte Meerjungfrau.

Anfangs noch skeptisch, ging das Radfahren plötzlich wie von allein und es war auch endlich Zeit, all die Eindrücke während der Fahrt aufzunehmen.
Kopenhagen ist gigantisch für Radfahrer. Man hat eine eigene Spur auf der Straße – abgetrennt vom Autoverkehr, genauso groß, wie die Autospuren. In der Rushhour stehen die Autos, die Fahrräder rollen.
Wenn man rechts abbiegt, fahren zuerst die Fahrräder, dann sind die Autos dran. Linksabbiegen ist indirekt vorgeschrieben, man hebt brav den Arm und schert aus.
Es gibt Radfahrerampeln auf Gesichtshöhe, Haltestangen und Fußbretter, wo man sich an der roten Ampel festhalten kann.
Kopenhagen hat unendlich viele Wasserstraßen – überall sind Radfahrbrücken, um schnell zu kreuzen, es gibt sogar ein Radfahrerverkehrsleitsystem mit grüner Welle, wenn man denn 20 km/h schnell fahren möchte – will ich natürlich nicht, ich will ja was sehen und bin viel zu beschäftigt, die ganzen Eindrücke aufzunehmen.
Man möchte glauben, dass Chaos herrscht, tut es aber nicht. Auch hier sind die Leute nett und freundlich, wer überholen will, klingelt an, beschwert sich aber auch nicht, wenn er nicht sofort vorbei kommt.
Die Stadt schaut aus, als ob ein permanentes Radrennen stattfindet – ich finde man muss das einmal erlebt haben, von daher kann ich nur jedem empfehlen, der Kopenhagen besucht, die Stadt unbedingt mit dem Rad zu erkunden, was auch wesentlich weniger ermüdend ist, als zu Fuß.

An dieser Stelle möchte ich mit meinem Bericht enden – nicht ohne noch ein paar Eindrücke von Kopenhagen hier zu lassen – allerdings nur in Form von Fotos.
Die 75 km, die wir auf zwei Tage in Kopenhagen “verradelt” haben, sind Stoff für einen separaten Bericht.
Die Stadt im Norden ist unbedingt einen Besuch wert und es ist ein MUSS, dort zumindest ein Fahrrad auszuleihen, denn in Kopenhagen werden täglich 1,4 Millionen Kilometer Fahrrad gefahren!!!

Fazit und Reiseinfos

Es war ein wunderbarer Radurlaub bei bestem, fast zu warmen Radwetter.
Wer hat schon solches Glück, im Mai bei 25 Grad Rad zu fahren und bei 30 Grad durch Kopenhagen zu bummeln???
Wir sind unfallfrei angekommen, mussten nur einmal flicken, hatten keinen einzigen Regenschauer.

  • Die Strecke von Gedser nach Kopenhagen ist gut machbar, wenn man ein bisschen geübt ist. Ich hatte im Vorfeld die Steigungen unterschätzt – man fährt nach Dänemark, da ist es gemütlich und eben :-). Falsch gedacht – immer wieder geht es bergan und bergab im Wechsel – aber wie gesagt, moderat und machbar. Ich würde allerdings, auch aufgrund einiger straßenlastiger Streckenabschnitte, die Tour frühestens mit Kindern ab 12/13 Jahren machen die sehr sicher im Verkehr sind, auch was die Kraft betrifft. Man kann die Strecke natürlich von den Tageskilometern auch ausdehnen, wir für uns wollen gar nicht mehr. Zwischen 60 und 70 km reichen uns – ich möchte zwischendurch fotografieren, innehalten, mal was angucken oder auch gern mal einen Plausch mit den Einheimischen machen. Und am Abend nicht völlig erschöpft ins Bett fallen, sondern in meinem Quartier ankommen, mir gern noch die Ortschaft anschauen und einfach die Zeit auch mal ohne Rad genießen.  Aber das muss jeder selber wissen.
  • Wer „Wetter“ nicht mag, für den ist diese Tour nicht geeignet. Im Norden ist es oft unbeständig, der Wind dreht häufig und ist tückisch und es gibt eben auch mal einen Schauer, der genauso schnell wieder weg ist. Das muss man mögen bzw. sich damit arrangieren, dafür bekommt man ein tolles Stück Erde „pur“.
  • Kosten: Dänemark ist leider nicht ganz preiswert. Trotzdem kann man auch mit schmalem Geldbeutel gut durch das Land kommen. Das Teuerste sind die Übernachtungen. Nachdem wir keine Camper sind und nach einer Radtour bei “Wetter” durchaus auch den Luxus eines richtigen Betts und einer warmen Dusche genießen, haben wir vorher über booking.com schon alle Unterkünfte gebucht. Das hat auch damit zu tun, dass wir zu dritt unterwegs sind und es dann oft nicht einfach ist, noch ein Zimmer zu bekommen und ein weiterer wichtiger Grund ist, dass das Kind das Tagesziel vor Augen haben wollte – ich selber mag es übrigens auch, wenn ich weiß, wieviele Kilometer ich noch vor mir habe und dass irgendwann ein Ende und eine Unterkunft in Sicht ist. Wir haben pro Nacht im Schnitt zwischen 100 und 120 Euro inklusive Frühstück bezahlt. Dazu kamen noch die Kosten fürs Abendessen und das eine oder andere Leckerli zwischendurch (Eis, Cafe, Bäcker :-) …), was sich – so finde ich – immer ganz schön summiert. Günstig einkaufen (Obst, Getränke, Brötchen für zwischendurch) kann man in den dänischen Nettos, die man in so ziemlich jeder Stadt findet und die haben auch in der Regel alle bis 22.00 Uhr geöffnet. In Kopenhagen haben wir im A&O Hotel übernachtet, neben dem Dansk Hostel wohl die günstigste Möglichkeit für Kopenhagen, die wir gefunden haben. Ich hatte auch über airbnb im Vorfeld gesucht, habe da aber für uns nichts entdeckt.
  • Von Kopenhagen zurück nach Rostock sind wir übrigens mit dem Flixbus gefahren, der kann in der Regel bis zu 4 Fahrräder transportieren und das klappt auch gut, wenn man rechtzeitig bucht. Das Ganze war auch noch ein Schnäppchen – 84 Euro für 3 Personen und 3 Fahrräder inklusive der Fähre Gedser-Rostock. Für die Hinfahrt haben wir allein für die Fähre mit Rädern zu dritt 69 Euro bezahlt…
Unser Equipment
  • Gedser-Kopenhagen war unsere fünfte größere Radtour. Wir sind seither unterwegs mit drei Cube-Rädern, allesamt MTB, der beste Ehemann hat ein 26er “Fully” (braucht man das? Nein, sage ich. Ja, sagt er. :-)). Sohnemann und ich fahren ein 29er MTB – meins ist ein bisschen umgebaut vom Lenker und hat 30 Gänge. Nein, die braucht man als Tourenradler nicht – ich wollte das Rad trotzdem, weil wir zu Hause auch ab und an auf unbefestigten Wegen fahren. Dazu passen meine Speed-Reifen nicht, aber die rollen so schön auf ebener Strecke… und rollen und rollen, während meine Mitfahrer fleißig treten:-). Die Reifen (Speed, Continental) führen aber tatsächlich dazu, dass man öfter mal flicken muss…
  • Unsere Packtaschen sind von Ortlieb – die Backroller Classic’s – wir mögen die und sind sehr zufrieden, die Firma ist auch echt kulant, wenn es doch mal Probleme gibt. Die Taschen halten auch heftigen Regenschauern stand und sind schnell geputzt. Wir haben pro Rad zwei Gepäckträgertaschen und jeder noch eine Fronttasche für die Kleinigkeiten und Wertsachen.
  • Klamotten: Wir fahren in normalen Sportklamotten (das eine und andere von Decathlon) und in Radhosen – meine sind von Gonso – das muss aber jeder für sich aus- und anprobieren und das muss passen, ansonsten wird es schnell unbequem. Wir fahren auch gern mit Turnschuhen, die sind zwar beim kleinsten Regenschauer schnell nass, aber am nächsten Morgen ohne größeren Aufwand betrieben zu haben, auch ganz schnell wieder trocken und vor allem leicht. Regenkleidung (Hose und Jacke) empfiehlt sich auch im Gepäck, falls man doch mal so einen Tag erwischt. Ansonsten neben den persönlichen Dingen noch Flickzeug, Luftpumpe, Schlösser, Nüsse & Datteln (statt Traubenzucker), drei 0,5 l Wasserflaschen (pro Packtasche eine, das verteilt sich gut) pro Person und wir haben auch immer noch so ein Erste-Hilfe-Päckchen mit im Gepäck… falls noch jemand ergänzen möchte, jederzeit gern. Über den Helm mag ich nicht diskutieren, wir fahren mit PUNKT.

Ansonsten allseits unfallfreie Fahrt und danke an Claudia und Antia, dass ich diesen Reiseblog hier bei euch schreiben durfte :-)

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