Wandern bis die Füße qualmen – 7. Wandermarathon am Donnersberg

Der 7. Wandermarathon am Donnersberg – zum ersten Mal waren wir dabei – und zum ersten Mal ging ich diese anspruchsvolle Strecke, die meine Muskeln echt an ihre Grenzen brachte.

Heute schreibe ich mal nur in meinem Namen, Anitas Bericht folgt.

Der Donnersberg Touristik-Verband lud am 06. Mai ein zum Marathon-Wandern und viele Wanderer kamen. Startpunkt war in Steinbach am Donnersberg.

Die Anmeldung

Um 7:30 Uhr kamen wir nach einer Stunde Fahrt an, fuhren durch den kleinen Ort und parkten ordnungsgemäß am Ortsrand 🙂

Nach dem Gang zum Bürgerhaus, an dem sich schon viele Wanderwütige eingefunden hatten, mussten wir uns kurz orientieren, fanden aber schnell heraus, dass wir uns in verschiedene Schlangen einordnen mussten. Anita in die 30km-Schlange (3 Leute) und ich in die 42km-Schlange (viele Leute). Es ging aber recht fix voran und nach Zahlung der 5 Euro Startgebühr hielt ich meine Stempelkarte, das Höhenprofil, eine Wegbeschreibung und die Karte in Händen.

Kurze Zeit später entdeckten wir Jörg von dem Magazin outdoorsuechtig.de in der langen Schlange – begrüßten ihn und warteten, bis auch er seine Unterlagen hatte.

Los gehts

Wir liefen also zu dritt los, das sollte sich aber bis zum Ende noch drastisch ändern…

Die ersten Kilometer vergingen wie im Fluge, recht schnell erreichten wir zusammen die erste Stempelstelle, die “Weiße Grube“. Schon dort, es war ca. 9 Uhr, wurde klar, dass es ein schöner Tag wird und dass es uns richtig warm werden wird heute. Die Sonne schien, leichte Bewölkung, kaum Wind – meine Kleidung zu dick. Da ich zwiebelig gekleidet war, pellte ich mal die oberste Schicht ab. Die Softshell wanderte an den Rucksack und so ging es mit Shirt und dünner Softshell weiter.

Meine Beine waren gut, nach zwei Anstiegen erreichten wir die nächste Stempelstelle, der “Kupferberghütte“. Ein wunderbares Plätzchen Erde!

Eine Aussicht hast du von hier, extrem schön. Mir kam die Idee, ein Foto zu dritt zu machen. Gut so, denn kurze Zeit später musste sich Anita von uns trennen. Ihre Route, die 30 km-Strecke ging natürlich einen anderen Weg als die unsere.

Anita, Jörg und ich an dem Kontrollpunkt Kupferberghütte
Ein schattiges Plätzchen zum Rasten
Die Hüllen fallen

Bei mir war es dann irgendwann soweit, dass auch zuerst die Ärmel der zweiten Softshell-Jacke und dann die Beine der Wanderhose weichen mussten. Zu warm darf es einfach nicht sein, schon gar nicht, wenn es körperlich anstrengend ist. Normalerweise bin ich schon viel früher mit kurzen Hosen unterwegs, aber die vergangenen Erkältungen und Unpässlichkeiten lassen mich vorsichtig sein.

Wunderbare Aussicht unterwegs

Die dritte Stempelstelle erreichten wir nach ca. 18 Kilometern. Wir waren hier an der Mühlwaldhütte. An den Stempelstellen konnten wir immer Getränke kaufen und ein paar Schoko-Riegel und Traubenzucker durften kostenlos mitgenommen werden. Von hier ging es weiter bergab ins Degenbachtal, landschaftlich sehr schön. Dichter Wald, das Grün der Laubbäume so unverbraucht und frisch.

3. Stempelstelle Mühlwaldhütte

Als nächstes sollte nun der erste heftige Anstieg zum Falkensteiner Hof kommen. Beim Bergab-Gehen waren Jörg und ich gleich schnell unterwegs – aber am Berg musste ich ihn einfach ziehen lassen. Und so war ich allein.
Allein auf dem 5 Kilometer-Anstieg zum Falkensteiner Hof.

Und die Krämpfe kommen

Dieser Anstieg hat mir echt zu schaffen gemacht. Meine Oberschenkel taten nicht weh, nein, sie krampften. Sehr unangenehm. Ich kann im Nachhinein gar nicht mehr genau feststellen, welcher innere Oberschenkelmuskel das war, aber eins weiß ich, es war blöd.
Das Allerschlimmste zu dem Zeitpunkt. NIEMAND war auf dem Stück unterwegs. Niemand. Ich musste mich ein paar Mal setzen, obwohl ich es nicht wollte. Ich wollte lieber weiterlaufen. Aber es ging nicht. Dehnübungen halfen zu Beginn ein wenig – später nicht mehr. Irgendwann auf Hälfte des Anstieges kamen zwei Wanderer hinter mir und sie bemerkten mein Leid, boten mir Magnesium an. Ich nahm es nach ein wenig Überlegen (warum auch immer ich da überlegen musste) an und schluckte das fruchtige Pulver, das an Brausepulver erinnert.

Die Magnesium-Spender… Danke 🙂

Ab diesem Zeitpunkt lief ich nicht mehr allein. Ich lief zwar nicht immer mit den beiden zusammen, aber ich hielt trotz Krämpfen ihr Tempo. Das tat gut.

Irgendwann kamen wir bei ca. 26 Kilometern am Falkensteiner Hof an, Stempelstelle 5 – ich verlor meine Mitwanderer aus den Augen, traf sie aber später im Ziel wieder.

Ich gönne mir eine Pause auf der wunderbaren Terrasse hinter dem Lokal und genieße die Aussicht. Zum Glück habe ich noch Power-Drinks, Eiweißriegel, Nuss-Riegel, Bananen und genügend zu trinken dabei. Ich stärke mich ausreichend – dabei fällt mir auf, ich habe unterwegs immer mehr Hunger als andere. Anita isst vermutlich nicht die Hälfte von dem, was ich esse. Aber ich scheine das eben zu brauchen 🙂

Wunderschöne Aussicht

Hier am Falkensteiner Hof kommt mir die Erinnerung an unsere erste Wanderung am Donnersberg, bei der ich total unterzuckerte und Anita und die Mädchen mich mit ihrem Proviant retteten. Baute mich in dem Moment nicht sonderlich auf, aber nun.

Diese Rast tat mit gut.
Ich ging gestärkt weiter, es geht durch einen schönen Wald, in dem gerade ein Kindergeburtstag stattfand. Die schreienden Kinder erfreuen mich, sie haben viel Spaß im Wald. Ein toller Kindergeburtstag für die Kleinen… Und meine Oberschenkel?

Sie waren besser! Scheinbar hat das Magnesium, das Trinken und das andere Essen geholfen. Ich bin total froh darüber und bereite mich schon mal innerlich auf den laaaangen Anstieg auf den Donnersberg vor.

Zuerst aber kam noch der Kontrollpunkt 6, die Blockhütte Marienthal. Bis dahin haben wir ca. 30km in den Beinen. Hier setze ich mich auch nochmal ein paar Minuten hin. Meine Pausen sind insgesamt nie länger als 10-15 Minuten, allein mag ich aber eh nicht so lang rumsitzen.

Hoch hinaus

Wieder unterwegs zeigt sich bald, warum unterwegs alle mit Respekt von diesem Anstieg sprachen. Er war echt lang. Größtenteils gehen wir über einen schmalen Pfad immer bergauf. Immer weiter. Wieder 4 oder 5 Kilometer, aber steil bergauf. Ich lasse ein paar Wanderer überholen, ich möchte nicht, dass die Krämpfe wiederkommen und bleibe tatsächlich öfter stehen, als ich möchte.

Ich treffe nach 2 Dritteln Phillip und wir fluchen ein wenig im Gleichklang ob dieses Anstieges.
Es tut gut, mal zu sagen, dass es grad echt verdammt anstrengend ist.

Könnte jemand sagen: Warum machst du das dann?

Ich mache es genau deswegen!
Denn wir schaffen diesen Berg.
Wir kommen oben an und sind über uns hinausgewachsen.
Und das macht stolz.
Und es verbindet in dem Augenblick die Wanderer.

Oben auf dem Donnersberg, sehen wir als erstes den Königsstuhl. Zwei Wanderer klettern drauf rum – ich lasse das mit dem Klettern heut mal sein und biege nach rechts. Es geht zu Keltenhütte, wo die letzte Stempelstelle vor dem Ziel ist. Hier gönne ich mir wieder ein paar Minuten, komme mit dem ein oder anderen ins Gespräch und bin nur noch froh, oben zu sein 🙂

Chicco

Weiter sollte es gehen – aber da kam dieser Hund. Er war freundlich und echt groß. Und er war allein. Ob er sich hier auskannte? Ich beobachtete ihn ein wenig und stellte fest, dass kein Mensch dazugehörte. Ich konnte ihn nicht sich selbst überlassen, er folgte mir sogar.
Nun, ich fasste mir ein Herz und gemeinsam mit einer Mitwanderin hielten wir Chicco fest und lasen Telefonnummer und Name am Halsband.
Natürlich rief ich dort an – er wurde kurze Zeit später abgeholt.

Naja, was auf so einem Marathon eben so passiert…

Die folgenden Kilometer gingen nur bergab. Sie machten mir nichts aus. Und ich hatte eine tolle Begleiterin. Monika. Wir hatten richtig gute Gespräche, sie ist über 60 und wandert Marathon.
Monika, wenn du das liest: du hast mich begeistert!
Wir durchlaufen den Skulpturenweg und passieren den Adlerbogen.

Wir erreichen den Fuß des Donnersberges und den allerletzten Anstieg vor dem Ziel. Der hatte es nochmal richtig in sich. Nicht zu vergleichen mit dem Schlussanstieg am Erbeskopf beim letztjährigen Saar-Hunsrück-Steig-Wandermarathon, aber ein wenig tat der  jetzt auch weh.

Zieleinlauf

Nach etwas mehr als 10 Stunden erreiche ich gemeinsam mit Monika das Ziel. Die Zeit ist mir nicht wichtig, ich bin stolz, es mal wieder geschafft zu haben. Es bedeutet Überwindung, es bedeutet an seine Grenzen gehen, es bedeutet über sich hinaus wachsen. Und das haben hier am Donnersberg alle Teilnehmer gemacht. Nicht nur die Marathonler.
Und Marathonwandern bedeutet auch jedes Mal: nette Menschen treffen. Es ist eine Gemeinschaft, gewiss sind nicht alle bereit, freundlich zu sein, aber mit denen muss man/frau ja nicht reden 🙂
Der Großteil aber ist super nett, es wird untereinander ausgeholfen, letztes Jahr das Blasenpflaster, dieses Jahr das Magnesium, toll!

Der Blick zurück zum Donnersberg

In der Steinbacher Hütte gab es einen gelungenen Abschluss mit Akkordeon-Musik, Essen und Trinken. Leider gab es kein alkoholfreies Bier mehr, sonst wären wir vielleicht noch etwas länger geblieben.
So verabschiedeten wir uns recht schnell von Monika und weiteren Mitwanderern und begaben uns zum Auto, das uns wieder sicher nach Hause brachte.

Ich war längst nicht so kaputt wie nach dem letztjährigen SHS-Marathon, schlief nicht umgehend ein, selbst der Muskelkater, der sich etwas am nächsten Tag zeigte, war am Montag verflogen. Nach den muskulären Strapazen hätte ich das nicht gedacht.
Ein Grund könnte sein, dass ich während des Wanderns fast ununterbrochen an meiner Wasserblase nuckelte. Insgesamt nahm ich über 2,5 Liter zu mir. 1,5 Liter Wasser und 1 Liter Fruchtschorle. Vielleicht machte sich aber auch die Magnesium-Einnahme in der Woche vorher und während der Wanderung bemerkbar. Wer weiß…

Fazit:

Dieser Donnersberg-Marathon ist wirklich eine Herausforderung! Mit über 3000 zu überwindenden Höhenmetern hat er es echt in sich. Die Strecke ist sehr anspruchsvoll, aber abwechslungsreich, du hast wunderbare Aussichten, großartige Wiesen, tollen Wald und hübsche Raststellen.
Die Organisatoren haben das in meinen Augen sehr gut gemacht und die Stempelstellen waren mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen besetzt. Das Wetter (das ja niemand beeinflussen kann) hat auch bis zum Schluss gehalten, aber ich wäre auch bei Regen gelaufen. Wenn es zeitlich passt, sind wir nächstes Jahr wieder dabei, verlasst euch drauf 😀

In meinem youtube-Video kannst du dir meinen Marathon nochmal in bewegten Bildern anschauen (inkl. Verzweiflung 😀 )

 

 

Noch ein paar Impressionen:

paar Impressionen:

 

 

2 Kommentare

  1. Hallo Claudia,

    mein Kompliment zu Deiner Leistung und dem gelungenen Bericht. Klasse, dass Du durchgehalten hast. Jetzt bin ich gespannt auf Anitas Erlebnisse.

    Liebe Grüße, Jörg

    • Hallo Jörg.
      Danke für deinen Kommentar. Siehst du, dieser Bericht ist auch übelst lang. War ja aber auch ne lange Wanderung 😀 Was soll das erst bei 100km werden?
      Liebe Grüße an euch
      Anita und Claudia

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